Willkommen am Detlefsengymnasium in Glückstadt

minimal music Projekt - PhazeOne

Überraschende Musik-Variationen
„Minimal Music“ – ungewöhnliches Projekt der Musikschule im Detlefsengymnasium

Geschmäcklerisches darf man bei Mimimal Music nicht erwarten. Diese Musikrichtung taucht in den Massenmedien, und selbst da in deren Nischen, nur selten auf. Das Zuhören strengt an, und man wartet nicht gerade auf eine Zugabe. Anders als in der „richtigen“ Klassik kommt das Finale der Stücke meist so überraschend, dass dessen Plötzlichkeit ein (durchaus zugelassenes) Konzertnickerchen stört. Falls es überhaupt zu einem solchen Nickerchen kommen kann; denn man wird mit Ungewöhnlichem traktiert (nicht: berieselt); Melodie und Harmonie spielen eine eher untergeordnete Rolle, während dem Rhythmus inklusive seiner vielfältigen Variationsmöglichkeiten eine wesentlichere Rolle zukommt.

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„Music for Pieces of Wood“ mit (von links): Karin Pawolka, Wieland Reich, Valeria Schumann, Jonathan Reich und Daniel Schröder.
Foto: Fox

Wie soll man sich als Publikum verhalten? Varianten zählen? Das ginge, denn Minimal Music lebt von Wiederholungen und klitzekleinen Variationen. Sich einlullen lassen vom scheinbar immer Wiederkehrenden? Das ginge auch, endet aber in der romantischen Sehnsucht nach dem endlichen Finale. Neugierig sein? Das ist vielleicht die beste Entscheidung. Denn die Musikschule Glückstadt nimmt ihr Publikum in der Aula des Detlefsengymnasiums mit auf eine musikalische Entdeckungstour. Entdeckt wird die „Befreiung des Klangs“. So sagte es John Cage, dessen „Vortrag über nichts“ per Video eingespielt wurde. Vielleicht hat das ja für die Liebhaber des Avantgardistischen deutlicher erleuchtet, was denn nun „Minimal Music“ eigentlich ist. Deren Vertreter, die das Publikum dank des ungewöhnlichen Engagements von Daniel Schröder kennen lernen konnte, wissen es auch nicht so genau. Richtig ist, dass sie zufrieden sind, wenn man Fragen stellt. Zum Beispiel: Sind die Disharmonien, die rhythmischen Verschiebungen, die schrillen Obertöne gewollt oder nur aus Versehen entstanden?

Dass Daniel Schröder und seine 18 musikalischen Mitstreiter genau diese Auseinandersetzung wollen (wohl ebenso wie die Minimal-Komponisten Steve Reich, David Lang und Marc Mellits), stellt den Gewinn dieses unerhörten Abends dar, der überraschende Begegnungen mit bekannten Instrumenten wie Klavier, Klarinette und allen möglichen Perkussionsinstrumenten hervorzauberte. Und dass man bei einem Gesangstrio nicht nur an die drei Damen aus der „Zauberflöte“ denken muss, bewiesen Karin Pawolka, Anne Römer und Valeria Schumann, die in David Langs „I want to live“ zeigen, dass auch Singstimmen wie Instrumente behandelt werden können. Das Besondere dieses Projekts der Musikschule besteht nicht nur in der Begegnung mit dem Ungewöhnlichen. Vielmehr ist es Daniel Schröder gelungen, viele junge Leute für diese Musikrichtung zu gewinnen, die ihre Stücke mit großem Ernst vortrugen. Hier seien Alexander Annegarn und Bjarne Ross genannt, die Kompositionen von David Lang präsentierten. Tolles Engagement der Musikschule, die statt im Wasmer-Palais im Gymnasium gastierte.
Peter A. Kaminsky





In Kooperation mit dem Detlefsengymnasium veranstaltet die Musikschule Glückstadt am 04. Oktober ein Konzert mit sogenannter minimal music, einem Genre, das zu den prägenden Entwicklungen der ‚klassischen‘ Musik des 20. Jahrhunderts zählt. Pulsierende Rhythmen, vielfache Repetitionen und klar strukturierte musikalische Prozesse gehören zu den charakteristischen Merkmalen von minimal music, zudem sind Einflüsse des Jazz sowie der Musik Afrikas und Asiens deutlich spürbar.

Minimal Music Projekt - Plakat

Mittelpunkt des Konzerts bilden Werke des Komponisten Steve Reich, der mit Stücken wie Music for Pieces of Wood, New York Counterpoint und Clapping Music wichtige Wegmarken im Bereich der minimal music gesetzt hat. Hinzu kommen Stücke aus dem vielfältigen, (Pulitzer-)preisgekrönten Œuvre von David Lang sowie ein Blick auf die Arbeiten des als kompositorisches enfant terrible geltenden Marc Mellits. Bei beiden sind Einflüsse aus der Rockmusik unüberhörbar.
Mit dabei sind Vanessa Busse (Klarinette), Merle Drazba (Sopran), Annika Greve (Klar.), Paul Heinrich (Bassklarinette, Perkussion), Annett Kautz (Klar.), Friederike Lessau (Klar., Text), Jonathan Reich (Klar., Perkussion), Anne Römer (Sopran), Bjarne Ross (Klavier, Text), Karsten Schepelmann (Klar., Bassklar.), Annalene Toppel (Klar.), Stefanie Trede (Klar.), Berenike Woyda (Klar.) sowie die Dozenten Alexander Annegarn (Klavier), Karin Pawolka (Sopran, Melodika, Perkussion), Wieland Reich (Dirigat, Perkussion), Valeria Schumann (Alt, Perkussion) und Daniel Schröder (Bassklar., Perkussion, Gesamtleitung).

Das Konzert wird vom Technik-Team unserer Schule für den Offenen Kanal Kiel aufgezeichnet. Aus medienrechtlichem Grund weisen wir darauf hin, dass sich alle Besucher der Veranstaltung durch ihre Anwesenheit mit der Abbildung ihrer Person einverstanden erklären.

Beginn dieses außergewöhnlichen Konzerts ist 18:00 Uhr.
Der Eintritt ist frei, Spenden zur Deckung der Unkosten sind sehr willkommen. Der Abiturjahrgang bietet in der Pause Snacks und Getränke an.

Das Konzert wird am 17.10. um 19:00 Uhr im Kranhaus in Elmshorn wiederholt.