Willkommen am Detlefsengymnasium in Glückstadt

50 Millionen Franzosen irren nicht (2013)

Schule bekommt Pariser Charme: Schüler des Detlefsengymnasiums laden an drei Tagen zu einem Musical ein

Fotos der 1. und 2. Aufführung von Jan-Hendrik Bucher - bitte hier klicken

Weitere Fotos finden Sie auf der Website von Jürgen Müller-Tischer, auf die wir gerne hinweisen:
Bilder von Herrn Müller-Tischer

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Die Treppe der Aula führt auf den Eiffelturm, der im Moment das Detlefsengymnsium beherrscht. Und was heißt hier „Aula“? Wir sind in Paris! L’Arc de Triomphe, Les Halles, Notre Dame stehen hier ebenso wie das Pariser Ein-Sterne-Vorstadthotel mit dem ländlichen Patron, der resoluten Maman und der schönen Tochter. Diese kriegt (zum Schluss, natürlich!) ihren Amerikaner in Paris ab.
Aber Vorsicht! So ganz ernst nehmen darf man diese Kitsch-Geschichte nicht. Denn Cole Porter, dessen vergessenes Musical „50 Millionen Franzosen können nicht irren” hier über 150 Mitwirkende in 20 Musiknummern auf die Bühne des Detlefsengymnasium zaubert, wollte sich eigentlich lustig machen über die Franzosen. Sie können nämlich nicht irren, ätzte Porter, weil sie Pferde essen, statt sie zu reiten. Genau diesen geistreichen Witz hat die Inszenierung im Hintersinn, wenn sie musikalisch und spielend ihren Spaziergang durch die Klischees absolviert. Zur Begeisterung des Publikums, das nach zweidreiviertel Stunden einen Zehn-Minuten-Beifallsmarathon spendiert.

Pariser Flair: Die „Amerikanerinnen“ Merle Bücking, Marieke Bucher und Miriam Engelberg wollen sich in der französischen Hauptstadt amüsieren.
Foto: Müller-Tischer

„C'est fantastique!“ wäre als Resümee für den Erfolg dieser Inszenierung von Regine Borg-Reich und Wieland Reich gar nicht übertrieben. Die Stimmigkeit reicht bis in unbeeinflussbare Details. Gebäck in der Pause: alles auf Französisch, teilweise in Eiffelturm-Format, dazu (wen überrascht’s?) Amerikaner! Die Kostüme, die Maske, die Frisuren, alles war von Eleganz geprägt, sozusagen die Haute Couture des Schultheaters.

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Pierre Wilckens und Miriam Engelberg auf dem Eifelturm.
Foto: Müller-Tischer

Mit Würde und Augenzwinkern präsentierten vor allem die Französinnen und die Amerikanerinnen ihre Mode. Als Beispiel sei die formidable Szene genannt, in der der Amerikaner als Pariser Stadtführer (Pierre Wilckens) die amerikanische High-Society-Dame (einfach Klasse: Miriam Engelberg) auf der Treppe des Eiffelturms verführen will. Das hatte Charme. Genauso: der Charleston in der Choreographie von Laura Gesing und Wanda Hehr: ein echter Hingucker! Wanda Hehr gehörte überhaupt zu den Motoren der Aufführung: Als Hoteltochter bezirzte sie den wettsüchtigen Ami, als Solistin sang sie die schönsten Nummern und überhaupt mischte sie überall mit. Kein Wunder also, dass diese Temperament und Charme ausstrahlende junge Dame in der Pause kaum Zeit hatte, ihren Lampenfieberzustandsmesser abzulesen.

Eine der charmantesten Nummern des Abends spielte sich ab, als die Inspizientin Carla Reinbold den Beamer per Fernbedienung nicht in Gang setzen konnte. Beifall auf offener Szene für sie, als sie in aller Ruhe, lächelnd, einen ihrer Lehrer auf einen Stuhl steigen ließ und per Fernbedienung – c’est ça! – diesen die Handarbeit zur Zähmung der widerspenstigen Technik erledigen ließ. Magnifique, diese Chefinspizientin! In ihrer Bühnenbautruppe wuselte auch Steffen Peters herum, der in seinen Umbaupausen die Percussioninstrumente bediente: Taxitröten, Kuhglocken und neben dem Vibra- und Marimbaphon auch das Bouteille-Phon mit diesem bizarren Flaschenklang.

Die Seine am Fleth – diese Transformation ist den 150 Mitwirkenden mit ihren beiden Chef-Chauffeuren Regine Borg-Reich und Wieland Reich wahrlich gelungen. Am Ende eines Schuljahres motivieren sie die Schüler zu Eiffelturm-hohen Höchstleistungen in Spiel, Musik und allem Drum und Dran. Fantastique!

Peter A. Kaminsky